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Ein Sommermärchen
Es war einmal ein Junge der wollte unbedingt die grosse Kunst des Fesselfliegens erlernen. Eines Tages nachdem er fleissig trainiert hatte, machte er sich auf den Weg den besten Piloten Europas im Turnier zu begegnen.
- Europameisterschaft 2009 im Fesselflug in Belgrad/ Serbien -

Sonntag, Ankunftstag: Für Papa und mich bedeutete dieser Tag Training, Training und Training, wir waren bereits am Mittwoch in Belgrad angekommen und flogen den Weltcup von Belgrad mit. Christoph und Frank trainierten ebenfalls und somit konnten wir uns jeweils gegenseitig bei den Flügen beobachten und coachen. Besonders Frank machte bei der Europameisterschaft einen riesigen Fortschritt und verbesserte sich enorm, herzlichen Glückwunsch! Christoph gab mir noch ein paar hervorragende Tipps, welche ich sofort versuchte umzusetzen.
Montag, Eröffnungsfeier: Am Abend gegen 20 Uhr begann die „Opening ceremony“. Die serbischen Organisatoren boten eine schöne Eröffnungsfeier mit historischen Volkstänzen und viel Akrobatik. Massimo Semoli aus Italien eröffnete als Vorsitzender der FAI-Jury die Europameisterschaft 2009 in Belgrad/Serbien.
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Am Mittag ergab sich eine abwechslungsreiche Möglichkeit. Da die Europameisterschaft auf einem Flugplatz für Passagier- und Agrarflugzeuge (dort standen eine Menge AN-2 und PZL M-18 Dromader) stattfand, gab es auch mehrere Gebäude für deren Wartung. Eines der Gebäude wurde genutzt um Jetflugzeuge zu restaurieren. Die Mechanikercrew zeigte uns ihre Halle und die Flugzeuge. Ausführlich konnten wir die Jets besichtigen und einen Blick z.B. in Cockpit, Turbinenraum, Turbine, sowie in das Innere der Tragfläche und deren Befestigung werfen. Die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft waren ausgezeichnet. Den Restaurateuren der Jets sagen wir hier „ein herzliches Dankeschön“, es war sehr interessant.
Dienstag, Processing (=Modellabnahme) und offizielles Training: Zunächst fand für unser Team das offizielle Training auf der Asphaltpiste statt, jeder Pilot hat einen Zeitrahmen von 10 Minuten. Um 12 Uhr folgte das Processing, meine beiden Modelle (Marshall 30 und Max) wurden als Erstes begutachtet, gewogen und der Spinner vermessen (5mm Radius). Alles war soweit gut, die Nerven zunächst beruhigt. Nach dem Processing kam Christoph auf die Idee alle Modelle im Kreis aufzustellen und wir begaben uns in die Mitte. Claudia schoss einige sehr schöne Bilder vom F2B - Team.
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Nachmittags folgte das zweite offizielle Training auf der Graspiste. Am Abend saßen wir alle beim Essen im Hotel Elegance, das uns wirklich hervorragend und überaus reichlich verköstigte. Doch einer fehlte, wo war Uwe? Natürlich beim Team-Manager-Meeting! Dieses dauerte, die Stunden vergingen, von Uwe keine Spur. Wir machten uns schon Sorgen, doch dann kam Uwe mit den Flugzeiten für die ersten beiden Vorrundenflüge in F2B und den Auslosungen der ersten beiden Runden in F2D. Offensichtlich gab es einige Diskussionen hinsichtlich von Radien….
Mittwoch, 1. und 2. Vorrunde: Der Tag begann mit Georgs Jagd in F2D und er hat sehr taper gekämpft. Franks erster Wettbewerbsflug bei einer Europameisterschaft lief hervorragend, wir waren alle einer Meinung, der beste Flug den wir jemals von ihm gesehen haben. Tolle Leistung, in F2B fing der Tag gut an!
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Dann folgte Christoph, auch er mit einem sehr guten Wertungsflug. Der erste Wettbewerbsflug ist immer nervenaufreibend: Läuft alles gut, kann ich meine Leistung abrufen und zeigen? Wie sind die Wetterbedingungen, stimmt die Technik; einfach Fragen über Fragen? Deshalb lenke ich mich eine Stunde vor dem Flug mit klassischer oder instrumenteller Musik ab; gehe noch einige Male den ganzen Flug durch und die wesentlichen Stellen in den Flugmanövern auf die ich besonders achten muss. Dann war ich dran und es lief alles super, ich war richtig zufrieden und glücklich. Die 2. Vorrunde lief ebenfalls bei uns allen sehr zufriedenstellend, Frank zeigte beständig eine sehr gute Leistung, Christoph und ich versuchten das Finale zu erreichen, doch die Leistungsdichte der teilnehmenden Piloten steigt von Jahr zu Jahr und ist enorm hoch.

Donnerstag, 3. und 4. Vorrunde: Der Tag der Entscheidung, wer erreicht das Finale der besten 15 Piloten? Wieder zeigten wir alle gute Kunstflüge und gaben unser Bestes. Frank bestätigte seine konstanten Leistungen aus dem Vortag und bewies seine enorme Steigerung in den letzten Tagen. Christoph zeigte hervorragende Flüge und auch ich war wieder sehr glücklich und zufrieden mit meinem Modell und meinen Flugfiguren. Nun hieß es zittern, wer war im Finale? Die Spannung stieg bis zum Eintreffen der Vorrundenergebnisse. Frank belegte einen hervorragenden 32. Rang, herzlichen Glückwunsch, Du hast Dich auf dieser Europameisterschaft stark gesteigert! Christoph belegte den 21. Platz, wir waren alle etwas traurig, zeigte Christoph doch exzellente Flüge, aber bei dieser Leistungsdichte ist es sehr schwer sich auf 15 Piloten zu beschränken. Wir blickten auf die Ergebnisliste und ich bekam weiche Knie, „wow“ erster Platz nach der Vorrunde, Papa sagte zu mir: „Jetzt ist Kaninchenjagd“ (bezogen auf einen alten Bugs Bunny Cartoon) und dass ich der Hase sei.

Freitag, Finaltag: Schon beim Frühstück ist man angespannt wie eine Stahlfeder, die Gewissheit, dass nun alles wieder bei Null anfängt und man auf’s Neue zeigen muss was man kann, ist sehr spannend und zerrt an den Nerven.
Christoph und Frank sind extra noch für die ersten 2 Finaldurchgänge geblieben um mich zu unterstützen, dafür ein herzliches Dankeschön!
Angespannt und fokussiert auf den Wettbewerbsflug, nur das Modell im Blick, ging ich den Kreis nach der Aufforderung „Mr. Richi Kornmeier three minutes“. Zunächst nahm ich nichts von der Aussenwelt wahr, dann Handzeichen, Motor läuft und Start. Für alle Kunstflieger ist der Wing Over wohl eine der schwierigsten Figuren, da dieser doch die Eintrittskarte in einen guten Flug darstellt, besonders mental auch für den Piloten selbst (läuft der Wing Over gut läuft meist alles gut). Also das Modell in die erste Senkrechte des Wing Overs gezogen und schön sauber eckig in den Rückenflug gedrückt. Doch was hör ich da: „Jubelrufe“! In diesem Moment wurde mir bewusst, dass die ganze Mannschaft hinter mir steht. Doch weiter geht’s; mit diesem Rückhalt konnte ich einen guten Flug machen, Landung, Modell rollt, absolute Stille, Flugzeug steht und „tosender Jubel“, Fahnen schwenkend steht die ganze Mannschaft am Kreis, Claudia, Uwe, Christoph, Frank, Georg und Andre. An dieser Stelle, vielen Dank an das ganze Team für Eure Unterstützung, ihr seid Spitze!

2. Finalflug: Diesmal ging der Blick zuerst zur Mannschaft, 4 Fahnen am Kreis, alle versammelt. „Mr. Richi Kornmeier, three minutes“ und los geht’s. Konzentriert und fokussiert, Nervosität hilft immer, geht es in den Kreis. Wieder lief alles super, Gott sei Dank! Modell steht und sofort ging hinter den Punktrichtern die „Post“ ab! Das deutsche Team ist außer Rand und Band, einfach sagenhaft.
Samstag, Ruhetag: Als ob die Anspannung nicht groß genug wäre. Papa und ich entschieden uns einen weiteren Trainingstag einzulegen; Claudia und Uwe sowie Clamer Meltzer aus Norwegen kamen auch mit zum Flugplatz. Clamer flog das erste Mal sein neues Modell und zeichnete gleich das ganze FAI-Kunstflugprogramm in den Himmel, so als ob er das Flugzeug schon immer fliegen würde. Am Abend, ich konnte es mal wieder nicht lassen und wollte unbedingt noch einen Trainingsflug machen, startete ich mein Flugzeug erneut. Kaum in der Luft begann ich mit dem ersten Wing Over, dann folgte ein zweiter Wing Over und plötzlich klatschte mir jemand auf den hinteren Oberschenkel und machte „Wuff“. Von draußen schallte es herein: „Hund“! Der freilaufende Hund wollte halt auch mal fesselfliegen. Pawel Dziuba und Papa betätigten sich nun als „Hundefänger“ während ich auf 60° Höhe meine Runden drehte.
Fazit: Fesselflug, immer eine neue Überraschung!
Sonntag, 3. Finalflug: Sonntag 6.30 Uhr Training. Doch das kann nicht wahr sein, „Wind“ und das ziemlich stark. Nun das Modell auf Wind getrimmt und danach ab zur mentalen Vorbereitung für meinen dritten Finalflug. Ich durfte gleich als erster dran. „Mr. Richi Kornmeier three minutes“, in diesem Moment dachte ich, „schade das höre ich nun zum letzten Mal von Jan Skrabalek dem Circle Marshall“. Claudia und Uwe standen wieder am Kreis mit einer großen Fahne. Handzeichen, Motor läuft und Take off. Jetzt kam es darauf an, die Nervosität war groß, das Adrenalin wahrscheinlich hoch. Doch für diese Windbedingungen gelang mir ein weiterer guter Flug und das Modell landete sicher und elegant auf dem Asphalt. Nun waren wir alle gespannter Erwartung, ob es gereicht hat? Nachdem alle Finalteilnehmer geflogen waren und wir uns am Combatkreis noch eine Jagd anschauten, kam Jiri Vejmola zu uns. Er gratulierte mir zum Gewinn der Europameisterschaft und ich war überglücklich. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Jiri Vejmola bedanken, Jiri, Du bist ein hervorragender Pilot, ein super Sportsmann und ein großes Vorbild für den Kunstflug!
Siegerehrung: Um 18 Uhr begann die „Price giving ceremony“. Als Erstes wurde mein Name aufgerufen als neuer Europameister 2009, ein absolutes „Gänsehautgefühl“.

Was denkt man, wenn man auf dem Podest steht und die Nationalhymne erklingt? Zunächst werden die Minuten wie Stunden, die Zeit ist halt „relativ“. Ich dachte an den Weg von Beginn meines ersten Fluges bis heute und an alle Freundinnen und Freunde die mich auf diesem Wege begleitet haben.
An Dr. Alice und Dr. Geza Egervary, Euch gebührt mein besonderer Dank: Liebe Alice, Dir für Deine Unterstützung und dass Du Geza jeden Samstag- und Sonntagmorgen sowie beinahe täglich für das Training mit mir über viele Jahre hinweg entbehrt hast. Dir, lieber Geza, ein herzliches Dankeschön, für die vielen Stunden Trainerbetreuung, Deine riesige Erfahrung die Du an mich weitergegeben hast und für Deine vorbildliche Begleitung. Ohne Dich wäre dies alles niemals möglich gewesen! VIELEN DANK!

An Michael Binner, Gunter Wagner und Roland Stief welche meine Kunstflugversuche in der Beginnerzeit ertragen mussten, vielen Dank für Eure Hilfe und Geduld.
An Christoph Holtermann, Uwe Degner und Claus Maikis welche mit vielen guten Tipps zur Trimmung von Modellen mir sehr weitergeholfen haben.
An Claudia und Uwe welche mich bei der Europameisterschaft durch ihre hervorragende Arbeit bezüglich der Organisation sehr unterstützt haben und somit jeglichen zusätzlichen Stress von mir fernhielten. Ich glaube man sieht auf den schönen Fotos von Claudia wie glücklich wir alle waren, auch hier vielen Dank für die ausgezeichnete Foto- und Internetbetreuung, welche ein Segen für alle Teilnehmer, aber auch für alle Daheimgebliebenen ist.
An die Unterstützung der Mannschaft Claudia, Uwe, Christoph, Frank, Andre, Georg, Lothar und Papa deren Jubel gigantisch war. Vielen Dank an das ganze Team!
An Alexander Schrek und Igor Burger für die Konstruktion und das Design der hervorragenden Flugmodelle Max und Marshall, hierfür ein herzliches Dankeschön.
Dir, lieber Alex, danke ich für die ausgzeichneten Flugzeuge und es freut mich besonders, dass es Marshall Nr. 30 zum Europameister geschafft hat.

Zwei Menschen in meinem Leben möchte ich besonders danken, Mama und Papa! Aufzuzählen was ihr für mich getan habt, würde die Kapazität des Servers sprengen, daher DANKE FÜR ALLES!
Bankett: Wie vor 2 Jahren fand auch dieses Europameisterschaftsbankett im Klubhaus des serbischen Aeroklubs in Belgrad statt. Das Gebäude erinnert an ein Stadtschloß mit einer herrlichen antiken Ausstattung, große bunte Glasfenster sowie wunderschöne Deckengemälde und Verzierungen an Wänden und Decken. Der Abend war wunderschön, das Essen hervorragend und die Stimmung ausgelassen. An dieser Stelle ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön an das serbische Organisationsteam, für uns war es eine traumhaft schöne und unvergessliche Europameisterschaft. Dragana und Ljubomir waren stets für alle Belange der Teilnehmer ansprechbar. Die Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit des serbischen Organisationsteams ist wirklich riesig.
Liebe Dragana, Lieber Ljubomir, wenn Ihr und Euer Team mal wieder eine Europa- oder Weltmeisterschaft ausrichten werdet, wir kommen sofort mit großer Freude!

Montag, Abfahrt: Beflügelt durch die märchenhaften 10 Tage in Belgrad, begaben wir uns: Claudia, Uwe, Papa und ich im Konvoi auf die Heimfahrt bis zur Ungarisch-Serbischen Grenze. Nach einer Übernachtungspause bei Passau trafen Papa und ich, Claudia und Uwe waren schon zuhause angekommen, in Mannheim bei Alice und Geza ein.
Mit Alice und Geza feierten wir gemeinsam den Erfolg bei der Europameisterschaft.

Es waren unvergessliche 10 Tage in Belgrad und wenn der Motor noch genug Sprit bekommt, dann fliegen wir noch heute!
Richi Kornmeier
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