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 08-02-2010


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Belgrad 2009 oder ....

Wer Fleisch mag wird Serbien lieben!

 

Nachdem Claudia, Richard und Christoph ja schon von Ihren Erlebnissen auf der EM in Belgrad berichtet haben und dabei Ihr Augenmerk auf die Technik und den Sportlichen Aspekt gelegt haben, will ich nun etwas das „Drumherum" beschreiben.
Für mich war es ja die erste Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft und das dies überhaupt zu Stande kam verdanke ich vielen glücklichen Umständen. Daher ist meine Sicht der Dinge mit Sicherheit Abweichend von der der anderen Mannschaftsmitglieder.

Alles begann so wie jeder Wettbewerb beginnt, mit der Anreise. Jedoch mit dem kleinen aber feinen Unterschied das es diesmal rund 1.500km einfache Fahrtstrecke waren. Alleine in einem Rutsch schafft das niemand! Daher bin ich wirklich dankbar das sich die Möglichkeit ergab mit Christoph eine Fahrgemeinschaft zu bilden. Nicht nur das man sich beim Fahren abwechseln kann und dadurch Kräfte spart, die lange Zeit im Auto wird einfach kurzweiliger! Man unterhält sich über Gott und die Welt (OK, ich gebe es zu, hauptsächlich über Fesselflug) und die Zeit verfliegt förmlich. Die Reise führte uns quer durch Deutschland, Österreich sowie Ungarn. Bis dahin war alles wie gewohnt: gut ausgebaute Autobahnen, flüssig fließender Verkehr, gute Beschilderung, alles kein Problem.
Doch dann kam Serbien! Friedhelm Kornmeier hatte uns ja gewarnt, das Fahren in Serbien sei anders und irgendwie speziell. Aber was wir auf den Serbischen „Autobahnen" erlebten hätte ich nicht für möglich gehalten.
Man stelle sich folgendes vor:
Ein Fahrstreifen für jede Richtung, jedoch nur durch eine durchgezogene Linie voneinander getrennt. Auf jeder Seite ein halber Standstreifen. Und was am schlimmsten ist, sehr viel Verkehr mit vielen LKW. Das alles wäre ja OK, aber das Überholen ist lebensgefährlich. Folgende Szene ist uns wirklich passiert:
Wir fahren Richtung Süden, vor uns ein LKW den wir überholen wollen. Christoph schwenkt aus und gibt seinem Berlingo die Sporen, doch dem Typ in dem 7er BWM hinter uns geht das alles viel zu langsam. Also schwenkt dieser auch aus und überholt uns, während wir den LKW überholen! Als wäre das noch nicht eng genug kommt uns in diesem Moment ein LKW entgegen. Klingt nicht nur gefährlich, ist es auch. Vier Fahrzeuge nebeneinander, wo eigentlich nur Platz für zwei ist. Und zwei davon sind LKW. Alltag auf serbischen Autobahnen.

Kaum 16 Stunden nach unserer Abfahrt in Kaiserslautern waren wir dann schon am Ziel, unserem Hotel in Belgrad. Ohne Unfall und ohne Nervenzusammenbruch. Ein Wunder!

Was uns da erwartete war, zumindest für mich, eine echte Überraschung. An einem besseren Feldweg gelegen, umringt von baufälligen, ärmlichen Häusern, jedes mit seinem eigenen kleinen Müllfeuer vor der Tür, steht da plötzlich ein Hotel welches all meine Erwartungen übertroffen hat. Nein, um genau zu sein hat es meine Erwartungen pulverisiert.
Ein großes, freundliches Gebäude, ein sauberer Parkplatz und wie alle wissen legen wir deutschen ja übertriebenen Wert auf Sauberkeit :-)  Dazu noch ein sehr schönes geräumiges Hotelzimmer mit, und das ist gaaaanz wichtig, einer gut funktionierenden Klimaanlage. Auch das Personal fiel mir sofort sehr positiv auf, und das nicht nur optisch. Die Damen waren nicht nur hübsch, sondern auch sehr freundlich und zuvorkommend und sprachen durchweg sehr gut Englisch.
Damit war eigentlich schon alles in trockenen Tüchern. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen.

Später nahmen wir das Wettbewerbsgelände in Augenschein. Ein kleiner Flugplatz mit Graspiste, diversen Hangars, einem Flugplatzlokal, und bestimmt einem dutzend Antonov AN2 Doppeldeckern und einem weiteren Dutzend Agrarflugzeuge (vermutlich vom Typ PZL Mielec M 18 Dromader) welche alle täglich im Einsatz sind. Alleine schon vor der Kulisse der geparkten Antonovs und PZL's zu fliegen war schon die Reise wert.

IMG_2213 EM Belgrad 2009 

Die Leute am Platz waren überaus freundlich und man hat sich dort über die gesamte EM hinweg bestens um uns Piloten gekümmert. Es gab reichlich gekühlte Getränke sowie Eiscreme (sehr nett, bedenkt man die Außentemperaturen von bis zu 40°C).
Es wurde gegrillt und es gab leckere Würstchen. Kurzum, hier kann man es aushalten!
Geflogen wurde zum einen auf einer Asphalt / Beton Piste welche top in Schuss war, sowie auf einer Graspiste, welche leider nicht ganz so top in Schuss war. Aber OK, die Graspiste war für alle Piloten gleich holprig und jeder musste damit zurecht kommen.Zudem stand noch eine Trainingspiste zur Verfügung, ebenfalls Gras und noch etwas holpriger als die Graspiste für die Wertungsdurchgänge. Es hätte jedoch durchaus schlimmer sein können und daher war ich eigentlich schon sehr zufrieden mit den Bedingungen.
Dieser Teil Serbiens ist übrigens sehr sehr flach. Flach ist eigentlich schon gar kein Ausdruck. Hier kann man verstehen warum man früher glaubte das die Erde eine Scheibe ist. Wälder gibt es dort auch kaum, so das der Blick wirklich in alle Richtungen bis zum Horizont reicht. Also echte Idealbedingungen!
Es war zwar überwiegend Windstill, aber wenn Wind aufkam, dann kam er ohne Turbulenzen.... PERFEKT!

Tagsüber war ich eigentlich immer auf dem Wettbewerbsgelände, habe Trainiert, Wertungsflüge gemacht, mich über Leute geärgert die meinten mein Spinner sei zu spitz, hab anderen bei den Wertungsflügen zugeschaut, leckere Sachen vom Grill gegessen, nochmal trainiert und was besonders interessant war, neue Bekanntschaften gemacht! Die Atmosphäre bei solch einer Veranstaltung ist einfach super, das kann man nicht anders beschreiben. Man lernt neue Freunde kennen, redet mit Spaniern, Engländern, Ukrainern, Polen, Slowaken und was wei? ich nicht noch mit wem. Kunstflieger schauen sich bei den Combat-Leuten Tricks ab und die Combat-Piloten bestaunen unsere F2B-Modelle.
Grenzen gibt existieren nur auf dem Papier, aber nicht in den Köpfen der Teilnehmer! Alle sind freundlich und hilfsbereit und alle freuen sich über einen netten Plausch und etwas Fachgesimpel. Dieser soziale Aspekt ist enorm wichtig bei solchen Veranstaltungen und daher war es doppelt schade das F2A und F2C abgesagt werden mussten.

Abends traf man sich mit anderen Piloten zum Abendessen im Hotel und lies den Tag Revue passieren.
Abendessen, das Stichwort!
So etwas hab ich noch nicht gesehen. Fleischberge auf den Tellern. Es scheint unter den Köchen in Belgrad läuft ein Wettbewerb, wer den höchsten Fleischturm serviert.
Was man da serviert bekam geht hierzulande als Grillteller für vier Personen durch. Wer jetzt glaubt das in Anbetracht der Massen die Qualität leidet, der ist auf dem Holzweg. So lecker hab ich schon lange nicht mehr gegessen.
Ich glaube am ersten Abend hatte ich Fleisch mit Fleisch, dazu Fleisch, Fleisch und Fleisch, garniert mit fünf Pommes. Das nannte sich dann „Mixed Grill“. Fünf verschiedene Grillspezialitäten, alle super lecker.
Und so war es dann jeden Abend. Egal ob wir im Hotel gegessen haben oder in ein Restaurant gingen. Es war immer überreichlich und ausgesprochen lecker. Aber die echte Überraschung kommt dann mit der Rechnung.
Der Grillteller vom Typ „MountFleschMore" mit riesigem Vorspeisensalat und diversen Getränken kostete so viel wie hierzulande eine große Pizza und eine Cola beim Italiener um die Ecke. Dieses Land ist nichts für Vegetarier, aber wer Fleisch mag wird Serbien lieben!!

IMG_2284 EM Belgrad 2009 

So verging ein Tag nach dem anderen. Langweilig wurde es nie, Stress kam aber auch nie auf. Auf die einzelnen Durchgänge und die Fliegerischen Leistungen will ich gar nicht groß eingehen. Das war fast Nebensache. Nur so viel sei gesagt, jeder gab sein Bestes und alle zogen an einem Strang. Der Teamgeist in unserer Mannschaft war einmalig. Irgendwie hat es einfach gepasst! Eine echte Mannschaft eben, so wie es sein soll. Man hilft sich gegenseitig, ist ungefragt füreinander da. Gibt Tips und Ratschläge. Einfach eine Erfahrung die man mal gemacht haben muss. Was ich auf der EM erleben durfte ging weit über das übliche sich gegenseitige helfen auf Wettbewerben hinaus. Wir waren fast wie eine Familie. Eine Fesselflugfamilie. Man fieberte mit den anderen aus der Mannschaft mit. Jubelte am Ende des Flugs (oder auch schon mal nach dem Wingover). Man stellte den Erfolg des Anderen über den eigenen. Klingt komisch, ist aber so! Und das funktionierte weil jeder so dachte und handelte. Wo gibt es das noch? Beim Fußball? Nein! Obwohl Fußball ein Mannschaftssport ist denken die meisten Spieler nur an sich selbst. Wir hingegen sind eigentlich Individualsportler und haben dennoch ein Mannschaftsgefühl das seines gleichen sucht.

Leider war die EM Woche schneller vorbei als es mir lieb war. Das sind so die Momente in denen man sich wünscht die Zeit würde stehen bleiben.Es war eine großartige Woche. Eine Woche Fesselflug pur. Eine Woche Gemeinschaftsgefühl par excellence. Eine Woche Fleisch. Eine Woche die ich wohl nie vergessen werde.

Und wie jeder „normale" Wettbewerb endete diese EM natürlich mit der Rückfahrt. Siehe dazu einfach die Hinfahrt, nur in umgekehrter Reihenfolge. Lediglich ein „kleiner" Stau an der Serbisch-Ungarischen Grenze ist erwähnenswert. 5 Stunden lang warteten wir auf die Abfertigung, in Worten FÜNF STUNDEN! Und das bei annähernd 40°C im Schatten. Nur schade das es keinen Schatten gab. So dauerte die Rückreise stramme 20 Stunden. Aber die Strapazen der An- und Abreise war diese EM auf jeden Fall wert.

IMG_2291 EM Belgrad 2009 

Mein Resümee lautet daher ganz einfach: Jederzeit gerne wieder!

Abschließend möchte ich mich noch recht herzlich bei allen
bedanken die dazu beigetragen haben das diese Woche solch ein voller Erfolg wurde.
Danke an Richard und Friedhelm Kornmeier.
Danke an Christoph Holterman.
Danke auch an das Combatteam. An Andre Horst, Georg Horst und natürlich Lothar Hentschel.

Und natürlich nicht zu vergessen unseren Team-Manager Uwe Kehnen und dessen Frau, die Mutter der Nation, Claudia. Ich sage bewusst Team-Manager und nicht Team-Chef, weil ich nie das Gefühl hatte einen Chef, also einem Vorgesetzten vor mir zu haben. Uwe war mehr ein guter Kumpel der einem die Steine (oder Spinnerspitzen) aus dem Weg räumt die man selbst nicht bewegen kann. Ihm und Claudia gebührt daher besonderes Lob. Sie waren immer für uns da, halfen wo sie nur konnten und leisteten wertvollen seelischen und moralischen Beistand (Ich sag nur „Saarländer", aber das ist ein Insider den ich bei einem Bierchen gerne erkläre). Uwe und Claudia baue ich irgendwann mal ein Denkmal, sie haben es wirklich verdient.

Frank Wadle
Kaiserslautern

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