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Kunstflug-Schule

gerry-2finExperten dürfen hier gleich weitersurfen. Ihr Wissensdurst wird hier nicht gelöscht. Die folgenden Ausführungen richten sich an jene Fesselflieger, die die ersten Abstürze psychisch überstanden haben, einen vollen Tank leerfliegen können und sich nun todesmutig in Kunstflug-Abenteuer stürzen wollen. Wer Tod und Teufel und Balsaholz-Insolvenz nicht fürchtet, darf jetzt weiterlesen.
Damit das Abenteuer einigermaßen erfolgreich durchstanden werden kann, sollten einige Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens muss das Material geeignet sein. Das Flugzeug sollte die entsprechenden Flugeigenschaften besitzen, auf den Motor müssen wir uns verlassen können, und das erforderliche Zubehör sollte dem bekannten Standard entsprechen (hierauf einzugehen würde den Rahmen dieser Story sprengen, sorry). Zweitens sollte ein geeigneter Zeitpunkt gewählt werden. So eben mal zwischen geschmissenem Examen und Ehekrach ist nicht gerade der günstigste Moment. Und das Wetter muss mitspielen: Wirbelsturm ist nicht empfehlenswert. Drittens brauchen wir einen Helfer. Optimal wäre natürlich ein erfahrener Pilot. Aushilfs-Helfern sollten wir genau erklären, was wir machen wollen, und was ihre Aufgabe ist (z.B. können sie die Windrichtung markieren, den Piloten einweisen (Kreismittelpunkt!), die Umgebung im Auge behalten usw.).

gerry 3finBei jeder Aufgabe ist es sinnvoll, sich ein Ziel zu setzen; und zwar eines, das erreichbar ist. Also nicht das komplette Kunstflugprogramm in einem Anlauf beherrschen zu wollen. Schritt für Schritt üben wir die Grundfiguren ein. Auf diesen baut sich das gesamte Figurenprogramm auf. Im Verlauf dieser Trainingsflüge lernen wir unser Flugzeug besser kennen: wie es reagiert, was es kann und was nicht. Gleichzeitig schleifen sich unsere Reflexe ein. Die müssen irgendwann mal sitzen, denn ohne sie geht’s nachher nicht mehr. Außerdem kann es nicht schaden, wenn wir uns etwas Disziplin aneignen und uns einige Routinen angewöhnen. Das bringt Erfahrung und Konstanz in unser Tun.
Kurz noch zur Erklärung: für manche Begriffe gibt es kein geeignetes deutsches Wort. Der Einfachheit halber verwenden wir den englischen Begriff. UPWIND ist also die Kreisseite bzw. genau der Punkt, wo der Wind herkommt ; und DOWNWIND ist dort, wo er hinbläst. Außerdem: ein INNENLOOPING ist der, bei dem das Piloten-Püppchen innen im Looping-Kreis sitzt. Beim AUSSENLOOPING sitzt es entsprechend außen. Alle anderen Bezeichnungen sind unklar und irreführend.

SteigflugFangen wir also mit den einfachen Figuren an. Steigflug und Sturzflug mag manchem vielleicht als etwas banal erscheinen. Es ist aber ein Unterschied, ob wir irgendwie rauf und runterkommen, oder ob wir das gezielt zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem genau definierten Ort, und in präziser Ausführung fliegen wollen. Zeitpunkt heißt: nicht irgendwann, sondern z.B. nach zwei Horizontalrunden, aber dann wirklich. Ort: genau „downwind“; nicht vorher und nicht nachher. Präzise: aus Normalflughöhe (etwa Augenhöhe) bis auf eine bestimmte Höhe (sagen wir mal 60 Grad). Die angepeilte Höhe sollte präzise erreicht und sauber gehalten werden. Je steiler Anstieg und Abstieg ausgeführt werden, desto schwieriger wird’s, aber desto mehr lernen wir. Besonders der Sturzflug hat es in sich. Hierbei lernen wir schon das genaue Abfangen in näherer Umgebung des Bodens!! Die Steigerung dieser Übung besteht darin, den Steigflug und den Sturzflug mehr an die Vertikale anzunähern. Das erfordert schnelle, aber doch keine brutalen Steuerausschläge. Sofort nach dem Richtungswechsel muss das Höhenruder für kurze Zeit wieder auf Neutral gestellt werden, damit das gerade Teilstück der Figur durchflogen werden kann. Und dann sofort wieder kurzer kräftiger Ruderausschlag, um wieder in die Horizontale zu kommen. Dabei sollte dem Richtungswechsel nicht ein wildes Auf und Ab folgen, sondern ein ruhiger, ebener Horizontalflug. Die hierbei erlernten Steuerbefehle benötigen wir dringend für die später folgenden schwierigeren Manöver.

wingover009Als nächste zu erlernende Figur bietet sich der Wingover an. Er beinhaltet die bis jetzt gelernten Übungen. Angesetzt wird er ganz genau „upwind“. Wird der genaue Punkt verpasst, so wird schon bei mäßigem Wind die Figur verblasen. Bei starkem Wind kann das Unternehmen sogar kritisch werden, da der Wind nun voll auf die Fläche des (etwas langsam) steigenden Flugzeugs drückt. Es empfiehlt sich, die Ruderausschläge zunächst etwas weich zu geben, und mehr auf die exakte Positionierung und die genaue Abfanghöhe zu achten. Auch der Ausflug in die Horizontale sollte ohne wildes Gewackel erfolgen. Die scharfen Ecken heben wir uns für später auf. Während des „stehenden Halbkreises“ (so heißt der Wingover auf deutsch) bemühen wir uns, das Flugzeug möglichst genau über unseren Kopf zu fliegen. Werden die Leinen an diesem Punkt etwas schlaff : keine Panik, der Wind trägt das Flugzeug noch ein Stückchen nach downwind, und gleich haben wir wieder Leinenzug (viele machen bei Wind hier Freiflug!). Wie wir uns während der Figur drehen, bleibt jedem selbst überlassen. Wir sollten aber einen einmal gefundenen, für uns angenehmen Ablauf beibehalten (wir wollen uns nämlich nicht während jeder Figur überlegen müssen, was wir mit unseren Füßen machen).

gerry-leineWird der Wingover extrem weich geflogen, so ist das eigentlich ein LOOPING. Der Unterschied ist nur, dass wir uns beim Looping nicht mit drehen, sondern ihn vor uns fliegen. Wir beginnen ihn genau bei „downwind“ mit leichtem Ruderausschlag . Ein zu starker Ausschlag zu Beginn hat üblicherweise zur Folge, dass der Looping zu klein wird, und wir kommen nicht mehr ganz „rum“ (Rummms!). Also nur ein weicher Ruderausschlag aus dem Handgelenk, danach folgen wir mit dem Arm der Form des Loopings. Dabei den Ausschlag des Handgelenks halten! Nach dem obersten Punkt des Loopings können wir noch etwas mehr „Ziehen“ (mehr Höhenruder geben). Das sieht dann zwar nicht sehr schön aus, ist aber gut für die Nerven. So reicht’s auf jeden Fall rum. Wenn wir die Figur ein paar Mal geflogen sind, trauen wir uns auch, oben etwas weniger Höhenruder zu ziehen. D.h. mit dem Handgelenk ein ganz klein wenig Drücken. Oben brauchen wir eben weniger Höhenruder, weil die Schwerkraft den Flieger ohnehin nach unten zieht. Unten brauchen wir dafür umso mehr. Außerdem wird das Flugzeug im Sturzflug schneller. Deshalb benötigen wir im unteren Teil des Loopings zusätzlichen Höhenruder-Ausschlag . Wir sehen also  -  mit einfach „ Ruderausschlag rein und warten“ geht nix. Ein Looping wird von Anfang bis Ende voll ausgesteuert. Auch hier empfiehlt es sich wieder, die Figur zunächst groß zu fliegen und das Hauptaugenmerk auf die exakte Form sowie die korrekte Ausflugs-Höhe zu legen. Kleiner Tip: ist der Wind stärker als uns lieb ist, dann versetzen wir den Looping etwas nach links; wir fliegen ihn also nicht genau bei “downwind“, sondern in Flugrichtung gesehen danach. So fliegen wir den unteren Teil im Gegenwind, was den Flieger etwas abbremst.

Zwei Loopings sind auch nicht viel schwieriger als einer. Der übliche Fehler : es wird vergessen, den Höhenruder-Ausschlag oben etwas rauszunehmen. Dadurch werden die folgenden Loopings immer kleiner. Nicht nur ist das falsches Training (denn es bringt nichts); es besteht auch die Gefahr, dass die Strömung am Tragflügel abreißt und das Flugzeug abstürzt. Mehrfach-Loopings sollten natürlich an der gleichen Stelle liegen. Das ist am Anfang nicht ganz einfach, da der ganze Ablauf doch recht schnell vonstatten geht. Wir können uns helfen, indem wir die Loopings etwas öffnen, d.h. beim Beginn des folgenden Loopings weniger Ziehen, ihn also größer anzusetzen. Damit können wir auch die Platzierung ein wenig kontrollieren.  Mehr als fünf Loopings (sowohl einzelne als auch hintereinander) sollten es nicht werden. Wenn sich die Leinen verdrillen, kann der Reibungswiderstand die präzise Steuerung erschweren, evtl. sogar verhindern. Nach jedem Flug müssen die Leinen entdrillt werden. Prinzipiell , aber besonders bei Mehrfachfiguren, empfiehlt sich eine Fußstellung, die es erlaubt, bei durchhängender Leine ganz schnell rückwärts zu laufen. Also nicht unbedingt breitbeinig die Füße nebeneinander stellen, sondern eher hintereinander.

Lazy-eightAls nächstes kommt die „Lazy Eight“ dran (könnte man als „bequeme Acht“ übersetzen). Das ist ein sehr schönes Manöver, das auch leicht zu fliegen ist. Fast alle Flugzeuge beherrschen das, und es hat auch den Vorteil, dass die Leinen nicht verdrillt werden. Die Figur beginnen wir etwas nach links von „downwind“ (vom Piloten aus gesehen) versetzt mit einem Innenlooping. Sobald das Flugzeug über den obersten Punkt ist, drücken wir erst leicht und dann etwas stärker. Das Flugzeug fliegt jetzt im sanften Sturzflug auf dem Rücken. Wir halten leicht das Tiefenruder, bis wir etwa in Ausgangshöhe (jetzt rechts von „downwind“) stark drücken. Der Flieger vollführt jetzt einen ¾ Außenlooping, um anschließend im leichten Sturzflug die Figur dort zu beenden, wo wir sie angefangen haben. Die Figur ist leicht zu erlernen. Sie dient außerdem hervorragend dazu, sich an die gegensinnig wirkenden Steuerbefehle in Rückenfluglage zu gewöhnen. Streckt man die Rückenflug-Phase noch ein wenig, so ist das schon eine gute Einübung in den Rückenflug. Dieser ruft am Anfang doch oft etwas Knieschlottern hervor. Vielleicht hilft es, wenn wir uns vor dem Flug fest einreden : „Im Gefahrenfalle DRÜCKEN!!“ Denn aus geringer Höhe kommen wir aus dem Rückenflug nur noch durch Drücken raus - oder wir fliegen eben so weiter!
Die „Lazy Eight“ ist ein sicheres Manöver. Wenn wir mehrere fliegen, geraten wir leicht in einen Rhythmus, der uns die Ausführung noch leichter macht. So können wir auch daran gehen, die Unterkanten jeweils immer tiefer zu fliegen, was uns die Angst vor dem Boden nimmt. Ein weiterer Vorteil: die unteren Teile der Figur werden immer gegen den Wind geflogen. Wie wir schon beim versetzten Looping erlebt haben, bremst das die Fluggeschwindigkeit etwas ab, und das Flugzeug wird nicht schneller in aufeinander folgenden Figuren (wie das bei den Loopings leider oft passiert).

Gerry-RückenflugDer RÜCKENFLUG ist der Punkt, an dem sich die Männer von den Jungs unterscheiden. Bis jetzt hat sich schon ein Reflex eingeschliffen, dass Ziehen die Rettung verspricht. Dass es jetzt andersrum gehen soll, kostet schon beträchtliche Überwindung und Konzentration. Am einfachsten beginnen wir, indem wir aus der Lazy Eight heraus die Rückenflug-Phase immer mehr verlängern. Anfangs vielleicht nur eine halbe Runde, dann immer mehr. Am besten, wir fliegen zunächst in sicherer Höhe, etwa auf 45 Grad. Der Arm zeigt in diese Richtung, Handgelenk gerade, dann bleibt der Flieger auch dort. Den Rückenflug sollten wir nie durch Ziehen beenden, in aller Regel sind wir zu tief. Mit zunehmender Routine trauen wir uns dann auch tiefer. Der Ausflug erfolgt natürlich durch Drücken.
Die nächste Übung ist der AUSSENLOOPING. Wir beginnen ihn in sicherer Höhe, d.h. höher als wir den Innenlooping normalerweise fliegen. Am besten schon bei “upwind“ hochziehen. Bei „downwind“ drücken wir gleichmäßig, aber doch zügig , bis das Flugzeug herumgekommen ist . Auch das kostet wieder einige Nerven, weil wir doch bisher aus dem Sturzflug immer mit Ziehen abgefangen haben. Wir müssen den Außenlooping aber fliegen können, da er oft ein Teil der schwierigeren Manöver ist. Wir haben ihn ja aber teilweise auch schon in der Lazy Eight geübt. Außerdem hilft er uns, verdrehte Leinen wieder zu entdrillen.
Als letzte Lektion nehmen wir uns noch ein paar scharfe Ecken vor. Ansatzweise kamen sie schon bei Steig- und Sturzflug vor. Beide sollten möglichst senkrecht ausgeführt werden mit anschließend scharfer Richtungsänderung in die Horizontale. Wir üben beide Variationen, mit Ziehen und Drücken. Klar, dass der Ruderausschlag (= Handbewegung) schnell kommen muss, mit anschließend sofortiger Rückkehr in die Neutralstellung. Das heißt aber nicht, dass wir brutal reinhacken; da könnte der Motor das Kotzen bekommen. Auf jeden Fall würde das Flugzeug stark abgebremst werden, mit dem Risiko, dass der Leinenzug verloren geht (mit den üblichen Konsequenzen). Also: Ecken zunächst eher sanft steuern und sich darauf konzentrieren, dass es nach der Ecke ohne wildes Gewackel weitergeht; erst später die Ecken enger steuern.

Wir haben’s geschafft! Damit haben wir den Grundstock der Kunstfliegerei gelegt. Mit dem soweit angeeigneten Rüstzeug beherrschen wir alle Grundformen . Die komplexeren Manöver sind lediglich Variationen, Kombinationen, und Wiederholungen dieser grundlegenden Figuren. Also - nur Mut und keine Panik. Es gibt noch Balsaholz genug.

Claus Maikis

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